Die Emanzipation des Mannes


Viele fragen sich, warum muss ein Mann emanzipiert sein? Ist er das nicht eh schon? Er ist doch ein Mann und mach was er will. - Nein, eben nicht. Er macht das, was man von ihm erwartet. Er ist mehr oder weniger eine Marionette in den Händen seiner Mitmenschen.

Mich zu emanzipieren bedeutet für mich, mich frei zu machen, von Erwartungen in mich und zu dem zu stehen, was ich gern möchte, soweit es im Einklang mit geltendem Recht ist. Aber ich glaube, das braucht nicht extra erwähnt werden.

Eine eigene Meinung haben und dazu stehen, das ist in meinen Augen, was einen Mann auszeichnen sollte. Selbstbewusst zu seinen Entscheidungen stehen, auch wenn es die nicht verstehen, die sich nicht trauen, weil Menschen in ihrem Umfeld, über sie reden könnten.

Mich durch meine Kleidung auszudrücken ist mir wichtig. Es tut meiner Seele gut, ich fühle mich wohl dabei. Warum soll ich nicht meine Belange gegen die meiner Mitmenschen durchsetzen? Würde ich es nicht machen, würden sie ja ihre Belange gegen die meinen durchsetzen. Ja, es hat mich gewundert, wie erwachsene Menschen, denken, dass es sich nicht gehört, als Mann einen Rock zu tragen. Es werden Vergleiche herangezogen, die krampfhaft versuchen zu zeigen, was männlich ist. Ich brauche diese Analogien nicht. Ich mache es einfach und bin trotzdem ein Mann.

Zur Rechtfertigung einiger weniger muss ich aber sagen, dass nicht alle meiner lieben Mitmenschen so reagiert haben. Von "ist doch ok, warum nicht, Frauen tragen doch auch Hosen", bis zu "das steht dir echt gut", waren viele Komplimente dabei, die mir gut taten. Nun möchte ich mit meiner Seite allen Mut machen, sich in ihrem Leben zu dem zu entscheiden, was ihnen gut tut. Doch aus gegebenen Anlass möchte ich hier nur auf die Kleidung eingehen, als Mann einen zu Rock tragen. Und ich möchte noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass man sich nicht durch das tragen eines Rockes emanzipiert, sondern durch seine Entscheidungsfreiheit, dies zu machen, ohne Wenn und Aber.

Ich bin Helmut. Für alle diejenigen, die das Geschlecht nach der Kleidung einschätzen: Ich bin ein Mann.

Ich trage Röcke, weil ich mich darin gut fühle. Es ist nicht von Bedeutung, warum ich mich darin wohl fühle, wichtig ist, dass ich es mache und dazu stehe.

Warum sollte ein Mann eigentlich keinen Rock tragen?

Ihren Ursprung haben meine Überlegungen in einem Sommer Mitte der 90er Jahre. Es war sehr heiß und ich musste einen Anzug tragen. So war es üblich bei diesen Anlässen. Die Frauen trugen natürlich kein Kostüm. Sie nahmen sich die Freiheit, ein luftiges, leichtes Sommerkleid über ihre Schultern zu hängen und ihnen war ja so heiß. Beim Walzer schwanden mir dann so manches mal die Sinne. Ich musste abbrechen, um nicht lang auf das Parkett zu schlagen. So dasitzend, das Treiben der anderen Gäste beobachtend, habe ich mich gefragt: Warum bin ich die Marionette einer Gesellschaft, welche um zu funktionieren, feste Muster braucht. Wären diese Muster bei Männern und Frauen im Gleichgewicht, also Anzug und Kostüm, so hätte ich nicht solche Gedanken gehabt. Jedoch von der Freizügigkeit der Frauen angespornt, ging mir da so manches durch den Kopf.

Nüchtern betrachtet, ist es doch, wenn ein Mann einen Rock trägt, das gleiche, als wenn eine Frau eine Hose anhat. Schiebt man all das beiseite, was ungewohnt an diesem Anblick ist, dann bleibt da ein Mann, der einen etwas anderen Kleidungsstil gewählt hat.




Da gibt es nun die Konservativen. Sie wollen alles so beibehalten, wie es schon immer war. Doch wie soll man festlegen, wie es mal war? Es ist alles in Bewegung. Alles ist der Änderung unterworfen. Die Mode ist nicht statisch. Nur weil sich die Hose bei dem Mann seit geraumer Zeit etabliert hat, kann man doch nicht sagen, es war so - und so soll es bleiben.

Vor langer Zeit trugen Männer von Stand und Adel, Strumpfhosen. Kam ein Mann im Rock daher, war das durchaus nichts Ungewöhnliches. Man konnte sofort erkennen, dieser Mann ist kein Bauer, dies ist ein Mann, der lässt arbeiten. Wenn sich damals die Kleiderordnung geändert hat, warum nicht auch heute? Haben wir bereits das Ende der Fahnenstange erreicht? Oder haben die Wege, die wir gegangen sind, bereits so tiefe Spuren hinterlassen, dass wir bis über den Kopf darin verschwinden, wenn wir sie beschreiten? Es wäre zumindest ein Entschuldigung für die eingeengte Sichtweise.

Da wir in unserem Land einen hohen Anteil Mitmenschen haben, die einem anderen Kulturkreis entstammen, schlägt mir aus dieser Richtung oft Unverständnis entgegen. Wie zum Beispiel von einem "Möchtegerneuropäer": "So etwas wie dich müsste man ausweisen." Dies ist aber meine Heimat und ich glaube, dass ich das Recht habe, mich hier so zu entfalten, wie es mir gefällt.

Eine weitere Gruppe mit einem sehr niedrigem Toleranzpegel sind einige Jugendliche. Als Heranwachsender hat man ja bekanntlich ein eingeschränktes Weltbild, welches mit zunehmendem Alter und Bildung erweitert wird. Wären sie sich dessen bewusst, würden diese Menschen ihren Geisteszustand nicht freiwillig reflektieren.

Aber allen Anfeindungen zum Trotz sollte man sich nicht entmutigen lassen. Hat man seinen Weg eingeschlagen, ist eine Umkehr schwer möglich, würde doch immer der fade Beigeschmack einer Niederlage bleiben. Für mich ist es wichtig, dass ich, wenn ich in den Spiegel sehe, dort mich sehe und nicht jemanden, der so ist, wie ihn die anderen gerne sehen würden. Leider ist es so, dass durch die Erwartung unser geliebten Mitmenschen, wir in eine Haltung gezwängt werden, die nicht dem entspricht, was wir oder wie wir sein möchten.

Die Frauen haben es uns vorgemacht


Hätten sie nicht den Mut gehabt, zu dem zu stehen, was damals so zaghaft anfing, so würden heute noch alle im Rock oder Kleid herumlaufen. Ist es nicht herrlich, sich so zu kleiden, wie es der eigenen Vorstellung entspricht? Was würde uns Männern entgehen, würden unsere Frauen nur Röcke tragen? Es ist doch nett anzusehen, wenn sie auch mal eine Hose anhaben. Nur wer kommt dabei auf den Gedanken, diese Frauen seien lesbisch? Hat dagegen ein Mann einen Rock an, ist es für viele gar keine Frage: Dieser Mann ist schwul. Am Rande sei gesagt, ich wurde auch schon von einem Schwulen angemacht, der sich darüber aufregte, dass ich einen Rock trug, das sei doch nicht normal.

Hier könnte man meinen, die Argumente haben sich gegenseitig aufgebraucht, aber so einfach ist das nicht. Ein Mann im Rock oder Kleid ist dem Auge des Betrachters fremd und allem Fremden gegenüber hat man erst einmal misstrauisch zu sein. Es sieht hingegen schon wieder vollkommen anders aus, wenn an der Seite des Mannes eine Frau geht. Und wenn dann auch noch Kinder dabei sind, ist das Weltbild wieder in Ordnung. So wird es gesehen.

Es gibt Frauen, für die ist nur der ein Mann, der als rechtes Raubein daherkommt. Dichtes Fell und drei Tage Bart ist das ultimative Muss. Wenn da sich nun aber ein Mann pflegt und nicht grölend vor dem Fernseher sitzt, mit einem Halben in der Hand und sich die Sportschau reinpfeift, dann kann ich mir das gut vorstellen, dass da einige Frauen irritiert sind. Frau hat eben so ihre Vorstellungen von "Mann", im Speziellen und im Allgemeinen. Gern wird auch mit einem Vorteil ein Nachteil in Kauf genommen. Nur ist es kaum hinnehmbar, wenn sich ein Mann mit Federn schmückt, für welche sie hart hat kämpfen müssen. Oft wird dann argumentiert wie unter Kindern, dies ist mein Spielzeug, du darfst damit nicht spielen.

Der gemeinsame Auftritt in der Öffentlichkeit ist eine weiter Sache. Sie hat sich mindestens eine Stunde richtig schick gemacht, an ihrer Seite ein Mann im Rock. Keine Gesichtsmaske, keine Faltencreme, keine lackierten Nägel, zieht aber alle Blicke auf sich. Bekommt sogar Komplimente und das nicht nur von Frauen. Das kann unter Umständen einer Beziehung wenig förderlich sein. Da bedarf es dann einer Partnerin, die voll dazu steht, dass er aus dem Rahmen fällt. Nur wie weit darf er aus dem Rahmen fallen? Gibt es da auch wieder eine Toleranzschwelle? Was ist, wenn er sich so kleidet, wie sie es nie machen würde?

Nur haben all diese Frauen, die es nicht gut heißen, wenn sich ein Mann einen Rock statt einer Hose anzieht, sich niemals gefragt, ob er sie noch attraktiv findet, wenn sie eine Hose trägt? ...wenn sie im Gammellook daherkommt und es unheimlich bequem findet? Auch dann hat Mann sie immer noch attraktiv zu finden. Frauen dürfen das!



Warum muss die Kleidung etwas über die sexuelle Ausrichtung aussagen?


Es geht doch die Welt nicht davon unter, wenn sich manch eine Frau recht maskulin kleidet. So im Anzug mit Krawatte. Es ist ihnen vergönnt, mit der Mode zu spielen. Doch wer von den Frauen hat den Mut, dieses Spiel auch den Männer zuzugestehen? Es gibt einige, die es gut finden, dass da ein Mann ist, der den Mut hat einen Rock zu tragen. Der sich nicht nur Farben ausgesucht hat, die von hellgrau bis dunkelgrau reichen, sondern es wagt, Akzente zu setzen. Im Allgemeinen ist es aber so, dass die Frau an der Seite ihres Mannes es nicht gutheißt, wenn er etwas trägt, was nicht einer Hose ähnelt. Dies ist die Situation, die manch einem Leidensgenossen im Kreise seiner Liebsten erwartet. Er ist der für das Grobe, der sich darum zu kümmern hat, dass genug Nahrung vorhanden ist und dass es nicht reinregnet. Man erlegt eben keinen Hirsch im Tütü und auf das Dach steigt man auch nicht mit sehr viel Luft zwischen den Beinen. Diese Rolle, des Mannes in der Familie, scheint fest verankert zu sein. Es ist wie eine Formel, bei der die Auflösung immer wieder die gleiche ist: Der Mann hat sich klar von der Frau abzugrenzen. Er wird somit in eine Rolle gedrängt, in der er sich unter Umständen gar nicht wohl fühlt. Dies soll ja nicht heißen, dass ein Mann, der einen Rock anhat, gern eine Frau wäre. Wäre es so, dann würde ein großer Teil der Frauen, da sie ja Hosen tragen, wohl gerne Männer sein.

Ich der Fetischist? ... Klar doch!


Viel Fragen nach den Beweggründen zu meinem Outfit, zielen in die Richtung Fetisch. Für mich schien diese Frage zu Anfang etwas überflüssig, bis ich mich in die Situation der Fragenden hinversetzt habe. Sicher war ihr Gedanke, so etwas trägt man in den eigenen vier Wänden und schaut sich im Spiegel an. Die ganz Harten gehen damit auch auf die Straße. Ja, wäre eine Möglichkeit. Ich mache es so. Ich trage so etwas zu Hause und ich schaue mich auch im Spiegel an. Warum sollte ich es nicht zu Hause tragen und im Spiegel muss ich sehen, ob das, was ich da anhabe, zusammen passt und mir steht.
Die Frage nach Fetisch ist mir zu allgemein. Bejahen kann ich, dass es da einen gewissen Reiz gibt, das eine oder andere anzuziehen. Es beflügelt die Fantasie ungemein und manchmal kribbelt es auch noch. In meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass es immer von Vorteil ist eine lebhafte Fantasie zu haben. Es war nicht nur zu meinem Vorteil.

Bin ich nun ein Fetischist? ... Egal, Hauptsache es macht Spaß



Echt provokant


Eingangs möchte ich sagen:

Ich bin gern ein Mann, denn als Mann kann ich machen, was verboten ist. Frauen ist alles erlaubt.

Oft werde ich gefragt, ob ich mit dem was ich trage (Rock, Kleid) provozieren möchte. Seltsamer Weise nur von Männern. Da gibt es nun verschiedene Ansatzpunke der Provokation. Ich nehme mal an, der größte Teil derer, welche diese Frage stellen, glauben, dass ich sexuell provozieren möchte. Meinen Körper zur Schau stellen, speziell die Beine. Sie glauben ja auch, dass dies das Ziel der Frauen sei, wenn sie einen kurzen Rock tragen oder etwas sehr durchsichtiges. Ist es nicht ein tolles Gefühl, wenn einem als Mann so eine provozierende Frau gegenübersteht? Ist es nicht herrlich, als Mann zu glauben, dass diese Frau das alles nur macht, um ihn anzumachen? Mann muss schon sehr einfach gestrickt sein, um so etwas zu glauben. Gut, es mag sein, dass es Frauen gibt, die diese Form der Provokation betreiben. Doch glaube ich eher, es soll bei ihnen in eine ganz andere Richtung zielen. Nicht uns Männer soll es treffen, sondern eher die Freundin, die Nachbarin, die anderen Frauen in der Öffentlichkeit. Warum ist Frau denn so entrüstet, sieht sie auf der Straße eine andere Frau in dem Kleid, was sie sich gerade erst gestern gekauft hat. Sie fand es so toll, doch nun...nun trägt es vielleicht sogar ihre beste Freundin. Sie kann doch mit der nur noch gleich ziehen, sie aber nicht mehr ausstechen.

Ich glaube, die Frage nach Provokation erklärt sich von selbst, wenn Mann gemerkt hat, dass er für Frauen, durch die Wahl seines Outfits, interessant wird. Natürlich möchte ich mich ins rechte Licht setzen. Natürlich möchte ich interessanter sein, als die anderen Männer. Natürlich mag ich es, wenn mir eine Frau im vorbeigehen verstohlen mit der Hand über den Schenkel fährt, um mir dann auch noch einen heißen Blick zuzuwerfen.

Warum sollten Männer in diesem Punkt anders als Frauen sein?

Ich möchte mal so sagen, ich möchte nicht sexuell provozieren. Ich möchte durch die Wahl meiner Kleidung die Möglichkeiten haben, welche auch die Frauen haben. Ich möchte Blicke auf mich ziehen. Dazu brauche ich nicht meinen Autoschlüssel lässig auf die Theke neben mein Handy zu legen, bei dem Outfit reicht auch mein Fahrradschlüssel.

Nebenbei gesagt, es ist auch noch eine andere Form der Provokation mit im Spiel. Ich möchte die Menschen, die mich sehen, in ihrem innersten berühren, ihnen Denkanstöße geben. Sie sollen sich mal Gedanken machen, warum ein Mann Hosen tragen soll. Sie sollen sehen, dass es auch anders geht. Es ist nicht viel, was ich damit erreichen kann, aber wenn es keiner sieht, hat auch keiner einen Gedanken daran.




Zum Abschluss möchte ich sagen, ich trage Kleider, Röcke und das passende darunter, weil ich mich darin wohl fühle. Sich wohl fühlen, in einer Welt, in der man sich jeden Tag behaupten muss, ist in meinen Augen sehr wichtig. Darum ist es auch für die Menschen, die mir nahe stehen, von Vorteil, wenn ich ausgeglichen bin. Ich habe auf meine Weise einen Weg gefunden, der mir ein gewisses Stück Lebensqualität gibt. Doch schade finde ich, wenn da Menschen sagen, dass ich ihnen damit ein Stück Lebensqualität zerstöre. Wäre es nicht schön, wenn ein jeder nur so viel Freiraum beansprucht, wie er wirklich braucht?